Ein Auftrag des ESF-Projektes Begleitung Übergang in Freiheit (BÜF) besteht in der aufsuchenden Aktivierung, Begleitung und Vermittlung von benachteiligten Personen im Übergang von Inhaftierung und Haftentlassung. Bei der Zielgruppe handelt es sich um kurzfristig inhaftierte Männer im Alter zwischen 21 und 60 Jahren aus der JVA Billwerder und dem offenen Vollzug Glasmoor.

Das Übergangsmanagement erfordert neben einer fachlich versierten Fallarbeit ein effektives kooperatives Netzwerk, welches alle an der Entlassungsvorbereitung beteiligten Akteure in die Projektentwicklung einbindet und gleichzeitig die psycho-sozialen Bedarfe der Zielgruppe nach der Entlassung thematisch berücksichtigt und institutionell abdeckt.
Bereits zu Beginn der Projektentwicklung von BÜF stellte sich heraus, dass die inhaltliche Schwerpunktsetzung der beteiligten Akteure aus einsehbaren Gründen zunächst sehr unterschiedlich gewichtet war: Der Justizvollzug steht für die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben, die FÜma verantwortet das Teilnehmer-Zuweisungsverfahren, das BÜF-Fallmanagement ist an möglichst unkomplizierten und motivationsfördernden Kontakten zu den JVA- Insassen interessiert. Dennoch existieren zwischen diesen Bezugspunkten gemeinsame Interessen und Schnittmengen, die es zunächst zu identifizieren und konstruktiv auszuhandeln galt. Dies ist inzwischen gelungen und steht als ein wichtiger Meilenstein in der nachhaltigen Entwicklung und Verstetigung eines vollzugsübergreifenden Übergangsmanagements.

Die unmittelbar nach Projektbeginn erfolgte Institutionalisierung einer BÜF-Steuerungsgruppe, in welcher sich alle am Projekt beteiligten Akteure regelmäßig treffen, hat sich inzwischen im Rahmen von 7 Sitzungen bewährt. In der konstituierenden Sitzung wurde eine Geschäftsordnung verabschiedet, in welcher Auftrag, Zielsetzung, Mitgliederstatus und Richtlinien für die gemeinsame Arbeit definiert wurden. Dadurch hat sich eine lebendige und zeitnahe Kommunikation im Sinne der kooperativen Idee entwickelt. In gegenseitiger Absprache zwischen BÜF, der Justizbehörde, der Fachstelle Übergangsmanagement im Fachamt Straffälligen- und Gerichtshilfe, der BASFI und der JVA Billwerder, konnten wichtige operative Fragen über organisatorische Abläufe und Schritte sowie über die Optimierung des teilnehmerbezogenen Fallmanagements diskutiert und abgestimmt werden. Auch die gemeinsame Fortbildungsreihe der am Projekt beteiligten Professionen (Vollzugsabteilungsleiter, FÜma- und BÜF-Fallmanager) wurde dank dieser institutionenübergreifenden Steuerungsgruppe rasch und pragmatisch umgesetzt. Dadurch konnte mit Unterstützung des Kooperativen Netzes das vollzugsübergreifende Übergangsmanagement von BÜF in Form eines stationären Fallmanagements in der JVA Billwerder und einer zentral gelegenen ambulanten Anlaufstelle innerhalb kurzer Zeit realisiert worden.

Inzwischen haben sich 260 Teilnehmer freiwillig bzw. als Selbstmelder für eine Zusammenarbeit mit BÜF entschieden und es gilt nun in einem weiteren Schritt, auf der Basis der gemachten Erfahrungen über die vielfältigen sozialen Brennpunkte der Teilnehmer, das methodische Instrumentarium des BÜF Fallmanagements im Sinne einer passgenauen Unterstützung und Vermittlung zu optimieren. Diese Zielsetzung wurde inzwischen in der Steuerungsgruppe diskutiert. Ein Ergebnis dieser Diskussion ist die Erprobung eines stationär durchgeführten Moduls `Fit für den Job´, welches die JVA-Insassen bereits während ihrer Haft für Berufsorientierung, Stellenrecherche und Arbeitssuche motivieren soll. `Fit für den Job´ zielt auf die Intensivierung der Bindungskraft zwischen BÜF-Fallmanagement und den Teilnehmern, und damit auf die Förderung der Akzeptanz des ambulanten Beratungsangebotes nach der Haftentlassung.